29. September 2015

Bauen für den echten Bedarf – für Einheimische und Migranten

Bekanntlich ist in Oldenburg Bauland knapp, Wohnen ist schon für Durchschnittsverdiener zum bedrohlichen Kostenfaktor geworden, und nicht nur aktuell haben wir mit starkem Zuzug durch Migranten und Flüchtlinge zu rechnen.

Da ist einer Gefahr vor allem zu begegnen: Dass im Streit um günstige Wohnmöglichkeiten die bedürftigen Gruppen gegeneinander ausgespielt werden. Mit gemeinsamer Anstrengung kann es aber gelingen, allen Beteiligten gerecht zu werden. Dazu ist erforderlich:

1. Mehr Bauland ausweisen

Mit der Planung für den Fliegerhorst ist ein Anfang gemacht. Aber es gibt einige weitere Flächen, die bislang nicht als Bauland zur Verfügung stehen. Hier bedarf es eines neuen Abwägungsprozesses zur Zweckbestimmung dieser Flächen. So können z. B. Belange des Landschaftsschutzes nur dann vorrangig bleiben, wenn es sich um tatsächlich landschaftlich bedeutende Flurstücke handelt. Ehemals anderweitig oder nicht genutzte Flächen sowie landwirtschaftliche Areale ohne qualifizierte Nutzung (z.B. Maisanbau) müssen nicht dazu gehören. Mit Flächen in städtischem Besitz sollte dabei die Initiative ergriffen werden.

2. Klare Nutzungsvorgaben festlegen

Eine Unterbringung von Zuwanderern in Lagern und Heimen kann nur als Übergangslösung angesehen werden. Darauf folgen muss der Bezug dezentral ausgewiesener Wohnungen. Die neu zu definierenden Flächen sind also per Bebauungsplan in der Nutzung so festzusetzen, dass sie einer Durchmischung der beteiligten Nutzer günstig sind.

3. Vermieter entlasten

Viele Vermieter würden Migranten als Mieter aufnehmen, wenn nicht die Hürden des Mietrechts inzwischen so hoch wären. Manche Wohnung steht schon jetzt leer, weil man Risiken vermeiden will. Hier sollte die Stadt stärker auf die Möglichkeit von Sonderverträgen hinweisen, die z. B. befristete Lösungen vorsehen.

4. Innovative Wohnformen fördern

Der herkömmliche Wohnungsbau wurde über die Jahre hinweg mit einer stets wachsenden Fülle von Vorschriften belastet. Durch die neuen Tatsachen umfangreichen Zuzugs sind hier Alternativen gefragt. Das können erleichterte Bauvorschriften sein, aber auch neue Ideen im Bereich des Fertigbaus. Wer sich solchen Möglichkeiten verschließt, verhindert eine möglichst schnelle und menschenwürdige Unterbringung. Unsere Bauwirtschaft wird aufgerufen, praxisgerechte Vorschläge einzubringen und zur Diskussion zu stellen.

Unabweisbare Notwendigkeiten müssen bisher vermeintliche Selbstverständlichkeiten in Frage stellen. Nutzen wir diese Herausforderung, um unserer Stadt ein für alle verträgliches und erfreuliches Wohnen und Wohnumfeld zu erhalten!

Ivo Kügel

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