21. Dezember 2015

Deutschland – humanitäre Supermacht?

„Deutschland, die neue humanitäre Supermacht“

Gedanken des stellvertretenden Vorsitzenden der FDP Oldenburg-Stadt, Ivo Kügel, zum Gastkommentar von Gertrud Höhler „Radikalisierung der Tugend“ im Handelsblatt vom 17. Dezember 2015, S. 48.

http://www.handelsblatt.com/my/politik/deutschland/tugend-und-terror-deutschland-die-neue-humanitaere-supermacht/12734684.html

Gertrud Höhler sieht in der Politik der Bundesregierung einen „passiven Imperialismus“ der Deutschen gegenüber anderen Ländern und „exzessive Eingriffe in die Souveränität von Nationalstaaten“ unter dem Deckmantel der Tugend.

Zitate von Gertrud Höhler aus dem Handelsblatt:
„Wo der Terror nach der Weltherrschaft greift, da rüstet die Tugend auf.“ „Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit kommt wie gerufen, um die grenzenlose Großzügigkeit von Great Germany zu bestätigen. Tugend kennt keine Obergrenze, so das Motto der neuen Variante von Leadership in Menschlichkeit, die von der deutschen Regierung besetzt wurde.“ „Die Regelbrecher der Macht stellen sich selbst von Sanktionen frei. Das Rezept ist einfach: Jede Norm darf fallen für den Sieg des Guten.“

Dazu der Kommentar von Ivo Kügel:
Prof. Höhler spielt auf dem Klavier der Ressentiments, ohne dass es gleich scheppert. Sie überlässt uns die doch so naheliegenden Schlussfolgerungen aus ihren so arglos dargelegten Erkenntnissen. Und doch sagt sie nichts anderes als: Es hätte sich nichts ändern dürfen. Nicht gerade Deutschland den Deutschen, aber doch so etwa Europa den Europäern, dann aber bitte Schluss – Verteidigung des Abendlandes durch Unterteilung der Menschheit in geografisch geordnete Qualitätsstufen. Wer draußen war, soll es bleiben. Pech gehabt. Hat doch Jahrhunderte geklappt und wo bliebe denn sonst die Souveränität?

Dass gerade hier die Ursache liegt, deren Wirkung Frau Höhler nicht wahrhaben will, verbirgt sie sich und uns. Die Pegidisten sollten sie zum Ehrenmitglied machen. Denn nach Lektüre ihrer wohlgewählten Worte wird so mancher denken, dass es sich ja wohl um Feinde handeln muss, vor denen man in der entkernten Hochburg der Freiheit und Marktwirtschaft nicht mehr sicher sein kann. Freilich, wer bei Gewinn und Genuss stört, soll unser Hausrecht kennenlernen.

Freiheit – nur für eingetragene Mitglieder? Marktwirtschaft nur, wenn wir die Wirte sind, ohne die keine Rechnung gemacht werden darf? Sehen wir auf den Schlusssatz: “… die Abonnenten des radikalen Guten (dürfen) mit Überraschungen rechnen.” Ja, Frau Professorin, mecht mer sprechen, gute Rechner können und müssen auch mit Unbekannten rechnen, anstatt, freilich tadellos gepflegt, mit schöner, aber enger Stirn Fremdenfurcht und Untergangsstimmung zu verbreiten.

Beste Grüße
Ivo Kügel

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