11. Mai 2017

FDP gegen Monopol in der Ganztagsbetreuung

Hintergrund

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erfordert den Ausbau der Ganztagsschule! Das fordert auch die FDP in Oldenburg. Unsere Schullandschaft war über mehr als 100 Jahre vom Halbtagsmodell geprägt. Ein Umbau kann nicht von heute auf morgen erfolgen und kostet Geld – viel Geld. Als Übergangslösung hatte die Stadt Oldenburg das System der trilateralen Verträge mit den Kita-Trägern geschaffen. Kurz: Kindergartenträger haben dafür gesorgt, dass Ganztagsangebote in Grundschulen zu überschau­baren Kosten möglich wurden. Allerdings wurde daraus unbeabsichtigt ein Betreuungsmonopol von wenigen Trägern, die sich das Budget von gegenwärtig etwa 3 Millionen € beinahe allein untereinander aufteilen. Sogenannte „sekundäre Kooperations­partner“ wie Sportvereine und Musik­schulen erhalten nur indirekt über die freien Träger Zugang.

 

Bislang wurde ungefähr ein Viertel der Oldenburger Grundschulen zu Ganztagsschulen ausgebaut, d. h. wir stehen erst am Anfang des Umbaus und eines fundamentalen Systemwechsels im Schulwesen. Die Übergangslösung der trilateralen Verträge zeigt dabei bei fortschreitendem Ausbau erhebliche Konstruktionsmängel. Zuständigkeiten sind unklar, ein gemeinsames Bildungs­programm kann nur mühselig erarbeitet werden und arbeitsrechtlich besteht ein Verbot der Kooperation von Lehrern und Ganztagsbetreuern. Im Klartext: Ganztagsbetreuer und Lehrer dürfen nicht miteinander über die Kinder reden, ja sie dürfen noch nicht einmal zur gleich Zeit im selben Flur sein. Das zuständige Ministerium schafft keine Klarheit! Es ist dringend an der Zeit – mit den freien Trägern – ein zukunftstaugliches System zu etablieren.

 

Diskussion im Schulausschuss

Natürlich ist es nicht verwunderlich, dass die freien Träger der Ganztagsbetreuung vor dem Schulausschuss protestieren und die Stadt hat deren Dienstleistungen ja auch jahrelang dankbar angenommen und ausgeweitet. Auf der anderen Seite vertreten die Lobbyisten der freien Träger nicht die Interessen von Eltern und Kindern, sondern ihre eigenen Interessen – das ist legitim, aber nicht repräsentativ! Bei aller Dankbarkeit für die Dienste der freien Träger geht es um bestmögliche Bildung für unsere Kinder und nicht um Arbeitsplatzmodelle von Vereinen.

Aus Sicht der FDP sollten Schulen größtmögliche Autonomie bei der Verbesserung von Schulqualität erhalten. Wir wollen gestalten und nicht verwalten – Nachmittagsbetreuung ist kein Schafe hüten! Das bedeutet auch, dass die Schulen darüber Regie führen sollten, welche Kooperationspartner Zugang zur Ganztagsbetreuung haben sollten und mit welcher Qualität dies zu geschehen hat. Unumstritten ist bei Pädagogen die Notwendigkeit, einen Zugang zu außerschulischen Lebenswelten, den Sportvereinen und zu Angeboten von Kunst und Kultur zu schaffen!

 

Ivo Kügel
Stellvertretender Kreisvorsitzender

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